Praktikum
Praktikumsplätze biete ich Schülern und Studenten aus meinem oberbergischen Wahlkreis in meinem Berliner Büro. Die Praktikumszeit sollte vorwiegend in Sitzungswochen des Bundestages stattfinden. Auch die Fraktionen und die Bundestagsverwaltung bieten Praktikumsplätze an.
Hanaa' Grave war im Herbst 2009 für zwei Wochen Praktikantin im Bundestagsbüro. Hier einige Auszüge aus ihrem Praktikumsbericht:
"Ein Praktikum bei einem Mitglied des Finanzausschusses zu machen war deshalb von großem Wert für mich, da ich festgestellt habe, dass man den wirtschaftlichen Aspekt nicht einfach außen vor lassen darf, wenn man politische Geschehnisse und ihre Zusammenhänge richtig verstehen möchte. ...
Durchaus überrascht war ich wie intensiv, ereignis- und lehrreich doch ein Praktikum von nur zwei Wochen im Bundestag sein kann.
So habe ich als die wohl ,,Plenumgängerin Nr.1’’ unter allen Praktikanten und Praktikantinnen gleich zwei Hammelsprünge innerhalb dieser kurzen Zeit erleben dürfen und war ganz vorne mit dabei, als der ehemalige Verteidigungsminister kurz vor seinem Rücktritt stand.
Für jemanden der sich besonders für die Außen- und die Nahostpolitik interessiert, war es besonders aufregend, als ich nach einer Fraktionssitzung nur ein paar Meter entfernt vor dem Verteidigungsminister höchst persönlich saß und einen Vortrag über den Afghanistaneinsatz lauschen durfte, anstatt mir am Abend einen Beitrag dazu in den Spätnachrichten anschauen zu müssen.
Des weiteren hatte ich die Möglichkeit bei einem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu sehen, wie die Arbeit eines Beamten des Auswärtigen Amtes in der Praxis aussieht. Ein wenig hat mich dies dann doch an ein Schulreferat erinnert.
Besonders möchte ich die Zeit, die ich direkt im Büro verbracht habe nicht missen, denn auch hier ergaben sich interessante Einblicke:
Wie sieht z.B. die Arbeitsverteilung der Mitarbeiter aus, was macht ein Politiker, wenn er nicht gerade in einem Ausschuss sitzt oder mit dem französischen Botschafter frühstückt, oder über welche Themen schreiben besorgte Bürger E-Mails an den Abgeordneten ihres Wahkreises.
Eines der vielen Vorurteile bezüglich eines Politikers und dessen Lebensituation mag wohl sein, dass sie kaum Zeit für irgendetwas anderes als die Politik haben und das der Beruf aus vielen Politikern zynische und oftmals humorlose Menschen mache.
Doch kann ich diese Vorurteile, jedenfalls was das Büro Flosbach angeht, widerlegen. In dem wohl musikalischsten Büro der sechsten Etage geht es mit viel Humor zu."
Die Radevormwalder Politikstudentinnen Christine Moser und Julia Viebach machten vom 14.2. bis 18.3.05 ein Praktikum im Berliner Abgeordnetenbüro. Hier der Bericht der beiden:
Den Bundestag und die Bundespolitik kannten wir wie die meisten Menschen nur aus dem Fernsehen. Aber Politik hautnah erleben und Praxisluft schnuppern - das ist es, was jeder Politikstudent wohl einmal möchte. Wie funktioniert die Theorie in der Praxis? Wie laufen politische Prozesse ab? Wer hat wie viel Einfluss? Kommt der Bundestag als Arbeitsplatz in Frage? Und warum ist das Plenum eigentlich häufig so leer? Fragen über Fragen, auf deren Beantwortung wir gespannt waren.
Wir kommen beide aus dem Wahlkreis Oberberg. So lag es nahe, die Antworten auf unsere Fragen im Bundestagsbüro unseres Abgeordneten Klaus-Peter Flosbach in Berlin zu suchen. Für fünf Wochen von Mitte Februar bis Mitte März erhielten wir dazu die Gelegenheit. Vier Sitzungswochen, in denen Arbeitsgemeinschaften, Ausschüsse und Plenum tagten, lagen in diesem Zeitraum.
Gesucht, gefunden.
Tatsächlich bekamen wir sehr gute Einblicke in die Arbeitsprozesse im "Zentrum der Macht". Neben der Arbeit im Büro des Abgeordneten hatten wir die Möglichkeit,
Arbeitsgemeinschaften und Ausschusssitzungen unserer Interessengebiete beizuwohnen. Häufig war dies von hohem Wiedererkennungswert für uns. "Das haben wir letztes Semester im Seminar bearbeitet!" oder "Darüber habe ich eine Hausarbeit geschrieben!", waren dann Sätze, die wir uns häufiger ganz aus dem Häuschen zuflüsterten. Politikstudenten können wir jedenfalls beruhigen, die Theorie erscheint hier doch näher an der Praxis, als man häufig befürchtet.
Gesucht, gefunden und eine Menge geboten bekommen.
Als biete der Deutsche Bundestag nicht schon genug Angebote, hatten wir auch die Möglichkeit, an Veranstaltungen des Praktikantenprogramms der CDU/CSU Fraktion teilnehmen. Zu den Highlights zählten Führungen durch das Bundeskanzleramt, durch den Bundesrat und durch die Stasi-Gedächtnisstätten sowie Diskussionsrunden mit Spitzenpolitikern der Fraktion.
Praktikantenstammtische, ob von der Fraktion oder fraktionsübergreifend organisiert, sorgten wöchentlich zusätzlich für Diskussionsrunden und einen regen Austausch unter den zahlreichen Praktikanten des Parlaments und der Ministerien.
Der Alltag eines Abgeordneten spielt sich aber nicht nur hinter den dicken Mauern des Bundestagsgebäudes ab, sondern beinhaltet auch nach Feierabend eine Reihe von gesellschaftlichen Verpflichtungen. Auch hierbei durften wir Herrn Flosbach das eine oder andere Mal über die Schultern schauen.
Was bleibt, sind grundlegende und umfassende Einblicke in die Praxis der und der Eindruck, dass das Image der Politiker bei den Bürgern besser wäre, hätte jeder einmal die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen. Sicher würde sich dann auch niemand mehr darüber wundern, warum das Plenum im Fernsehen häufig so leer erscheint. (Uns wundert es nicht mehr)
 


